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Anm.-89

 

Anmerkungen 50 - 89

 

ab 60,ab 70,ab 80

50. Eine Aussage ist entweder wahr oder falsch, eine dritte Möglichkeit gibt es nicht.

51. "...während der Revolutionen sehen die Wissenschaftler neue und andere Dinge, auch wenn sie mit bekannten Apparaten sich in Räumen umsehen, die sie vorher schon einmal untersucht hatten. Es ist fast, als wäre die gelehrte Gemeinschaft plötzlich auf einen anderen Planeten versetzt worden, wo vertraute Gegenstände in einem neuen Licht erscheinen und auch Unbekannte sich hinzugesellen." (KUHN 1979, 151)

52. Die philosophischen Schriften von G.W. Leibniz, I-VII. Ed. C.I. Gerhardt, Berlin 1875-1890, III, S. 519 (Brief vom 10.2.1711 an N. Hartsoecker). Zitiert nach MITTELSTRAß, 1974.

53. Dieses Argument finden wir auch bei GROEBEN/WESTMEYER (1975, 36).

54. "Der Gedanke, die Wissenschaft könne und solle nach festen und allgemeinen Regeln betrieben werden, ist sowohl wirklichkeitsfremd als auch schädlich." (FEYERABEND 1979, 392)

55. "Der diesem Anspruch (der Idee der Forschung, Anm. d. Verf.) gerecht werdende Mensch, muß bereit sein, alles zu vergessen, was man ihm schulmäßig beigebracht hat, er muß den Mut haben, gegen alles zu denken, was die Menschheit bisher für recht und gültig hielt. ... der natürliche Mensch, der unabhängig von allen 'Autoritäten' seiner eigenen eingeborenen Vernunft folgt. Diese Gestalt heißt seit CUSANUS der Laie (idiota) und ist dem Metaphysiker einerseits (der alles Fragen vom Ganzen her scheinbar beantworten kann) und dem Fachmann andererseits (der sich auf scheinbar unerschütterliche Erfahrung beruft) UM EIN UNENDLICHES ÜBERLEGEN (Hervorhebung d. Verf.)" ROMBACH 1974b, S. 18

56. "Viele Begründer der Wissenschaft meinen, sie unterscheide sich gerade darin von der Religion, daß sie Glauben durch Vernunft ersetzt. Eben diese Meinung ist nach meiner Ansicht eine Äußerung ihres Glaubens" (WEIZSÄCKER 1964)

"Aus der Tatsache, daß das Wissen nicht absolut ist, ... weiß es, daß es immer nur in bestimmten Grundtypen und globalen Ansätzen von je eigener Profilation möglich ist. Dieses Grundwissen führt dazu, keinen dieser Ansätze zu verabsolutieren ... Es gibt nicht e i n e n richtigen Ansatz, und sonst lauter falsche, sondern nur das richtige Gespräch aller Ansätze miteinander" (ROMBACH 1974a, 160)

57. "Wo ein 'interdisziplinäres Gespräch' möglich ist, bedarf es der sorgsamen Berücksichtigung dessen, daß keine Seite die andere bevormunden oder in eine erkenntnistheoretische Sekundarietät zurückstoßen darf." Dazu dann als Anmerkung: "Diese scheinbar selbstverständliche Forderung ist nicht so leicht zu erfüllen, bedeutet sie doch beispielsweise, daß der Psychologe Mythologien als ernst zu nehmende Interpretation psychischer Tatbestände akzeptieren muß (von ihnen wirklich etwas "lernt", wenn auch erst nach strukturaler Übersetzung) ..." (ROMBACH 1974a, 24)

Wie schwer diese Forderung zu erfüllen ist, beweist ROMBACH selbst, wenn er an einer anderen Stelle schreibt: "Solange 'Verursachung' noch animistisch vorgestellt wird, haben die Naturwissenschaften (die es dann natürlich nur in Vorformen geben kann) noch DIE SKURRILEN FORMEN DER ALCHEMIE, ASTROLOGIE (Hervorhebung d. Verf.) usw." (1974b, 40).

58. "Das tiefste und erhabenste Gefühl, dessen wir fähig sind, ist das Erlebnis des Mystischen. In ihm allein keimt wahre Wissenschaft." (BARNETT 1962, 133)

59. "Die Anerkennung einer meditativen oder mystischen Erfahrung der Einheit ist nicht ein Ausweichen aus der Rationalität, sondern, wenn wir richtig argumentiert haben, eine Konsequenz des Verständnisses des Wesens der Rationalität." (WEIZSÄCKER, 1971, 480)

60. MOTTE-HABER 1985, 155

61. "Die Gegenüberstellung von Einstein und Bohr machte in großer Klarheit deutlich, daß Tatsachen nicht für beide das Gleiche bedeuten und nicht in gleicher Weise gegeben sein können. Folgerichtig weist EINSTEIN die Quantenmechanik als unvollständig zurück, weil sie manches, was in seinen Augen eine Tatsache ist, nicht erfaßt, während Bohr leugnet, daß es sich dabei überhaupt um Tatsachen handelt." (HÜBNER 1978, 198).

62. "Es gibt Forscher, die die Neigung besitzen, die eigentlich psychologischen Erkenntnisquellen für die Wissenschaft zu leugnen, die nur das sinnlich Wahrnehmbare als solches, nicht das durch das Sinnliche hindurch Verstandene als 'objektiv' gelten lassen wollen. Dagegen ist nichts einzuwenden, insofern man nicht mehr einen Beweis für die Berechtigung einer letzten Erkenntnisquelle bringen kann. Aber man kann unter allen Umständen Konsequenz fordern. Diese Forscher müssen, um widerspruchslos zu bleiben, aufhören, von Seelischem überhaupt zu reden, an Seelisches als Wissenschaftler überhaupt zu denken, sie müssen aufhören, Psychopathologie zu treiben, sich vielmehr auf Hirnprozesse und körperliche Vorgänge bei ihrem Studium beschränken. Sie müssen konsequenterweise aufhören, als Sachverständige vor Gericht aufzutreten, denn sie wissen ihrer eigenen Ansicht nach von dem, wonach sie gefragt werden, wissenschaftlich nichts .... Solche Konsequenz könnte Achtung erzwingen und wäre eines Forschers würdig; das hartnäckige Bestreiten und Zweifeln durch allgemeine Einwände wie z. B.: das alles sei bloß subjektiv u. dgl., ist unfruchtbarer Nihilismus solcher Forscher, die sich auf diese Weise einreden mögen, ihre Unfähigkeit liege nicht in ihnen, sondern in der Sache. " (JASPERS 1948, 24 - Erstauflage im Jahre 1913)

63. "Some scientists say that such limited operational meanings are the only meanings that 'mean' anything, that all other definitions are metaphysical nonsense. They say that discussions of anxiety are metaphysical nonsense, unless adequate operational definitions are available and are used." (KERLINGER 1973, 32)

64. Auch in den Naturwissenschaften muß man den Schülern erklären, wie sie z. B. erkennen, daß in einer Leitung "Strom fließt".

65. Nicht nur im Bereich der Astrologie wird die Angemessenheit statistischer Methoden für die Untersuchung von Fragestellungen, bei denen der Mensch, die menschliche Psyche mit ihrer ganzen Komplexität ins Spiel kommt, in Frage gestellt. So wird der Festredner H.J. EYSENCK in der Stellungnahme eines Therapeuten zu seinem Eröffnungsvortrag auf dem 13. BDP-Kongreß für Angewandte Psychologie in Bonn (1985) wegen seiner Forderung nach einem experimentellen Zugang herb kritisiert: "H.J. Eysenck hat - zum wievielten Male eigentlich schon? - die Psychologen vor der 'Falle der Philosophie' gewarnt und wieder einmal den Alleinherrschaftsanspruch seiner an Statistik so reichen, an psychologischen Erkenntnissen jedoch armen 'empirischen' Psychologie geltend gemacht. ..." (MANNHEIM-ROUZEAUD 1986)

Siehe auch die Meinung von Erich FROMM (Anm. 71)

66. "Ich hatte dann mal einen Mitarbeiten, der .... wollte das statistisch prüfen. ... Und dann habe ich ihm gesagt: 'Gut, ich kann Ihnen Gelegenheit verschaffen, daß Sie einmal eine statistische Prüfung horoskopischer Dinge mitmachen. Ich sage Ihnen aber vorher: Sie werden nichts rauskriegen.' ... Dann kam er zurück und war von seiner Astrologie völlig geheilt. Er sagte: 'Statistisch ist überhaupt nichts herausgekommen. Die ganzen statistischen Korrelationen, die die Astrologen herausgefunden haben, kommen von schlecht ausgewerteter Statistik.' Ich sagte ihm: 'Das habe ich Ihnen ja vorher gesagt. Ich glaube nach wie vor, daß etwas dran ist und daß man es so nicht herausbekommen kann.' Das ist mein Urteil über die Sache." (WEIZSÄCKER 1976)

67. Dabei wird meist der Widerspruch nicht gesehen, der darin liegt, daß diese meist als antiquiert bezeichnete Methode doch über Jahrhunderte hinweg von Astrologen mit großer Überzeugung angewendet wurde, und, vor allem, heute noch von Kollegen mit ebensolcher Überzeugung angewendet wird. Solche Gegenargumente reichen i.d.R. gerade so lange, bis die eigene Methode des Kritisierenden selbst überprüft wird.

68. Wenn kritisiert wird, daß man erst bei der Kombination mehrerer Elemente ein Resultat erwarten könne, dann wird nicht gesehen, daß die Addition von lauter "unwirksamen" Einzelelementen schwerlich zu einem "wirksamen" Gesamtresultat zusammengesetzt werden kann: Eine Addition von Nullen ergibt Null. Möglich ist natürlich, daß nur die Interaktion von verschiedenen Einzelelementen wirkt: Dies widerspricht jedoch eigentlich den Aussagen in den Lehrbüchern, in denen ja Aussagen für Einzelelemente gemacht werden (siehe Kapitel 5.4 und in Kapitel 7.2: Das Meßproblem).

69. ALEXANDER (1983) hebt z. B. die Bedeutung der verschiedenen Paradigmen hervor, "within which the various approaches to astrology exist." Ein Paradigma ist, vereinfacht gesagt "the set of assumptions about the world that, in any activity, we automatically take as given." Seiner Auffassung nach hat Astrologie primär etwas mit Archetypen oder mit Qualitäten zu tun "and the quantitative approach fails to distinguish between these and specific things. The tendency in ordinary life is not to make the distinction and to talk about qualities as though they were things." Wir sollten, so meint er, Astrologie nicht an das bestehende Paradigma anpassen, sondern ein neues Paradigma erfinden, innerhalb dessen diejenigen Dinge besser zu handhaben sind, die nicht quantifizierbar sind. - Eine identische Argumentation findet sich übrigens auch im Bereich parapsychologischer Grundlagen-Diskussionen (EDGE 1974, 102).

DEAN (1983c) beharrt in seinem Antwortbrief darauf, daß die Frage unbeantwortet ist, ob Astrologie nun funktioniert oder nicht, und fragt:

"1. How do they know that astrology works?

2. How do they know that astrological correspondences between

chart and person are real and beyond non-astrological expla-

nation?

3. Why should we accept their beliefs about astrology rather

than contrary beliefs?

4. What sort of evidence should prove that their beliefs were

wrong?

5. Since they don't agree with current research, what sort of

research should be done instead?

6. Since Alexander disagrees that the only way to do research

is by quantification and statistical analysis, what then are the other ways?"

Auffällig ist, daß DEAN in Frage 6 implizit behauptet, daß der einzige Weg, Forschung zu treiben, in Quantifikation und statistischer Analyse bestehe. Diesen Punkt bestreitet ja v. WEIZSÄCKER (s. Anm. 66).

ALEXANDERs Antwort überrascht: "I suggest an analogy with poetry, that astrology is more like a language than like a science, that interpreting a chart is more like writing a poem than it is like doing an experiment, and that the 'meanings' of chart factors are more like metaphors or similes than like testable claims....After all, some poetry works and some doesn't. It is a function of literary criticism to distinguish between the two. Is it possible to contemplate a form of astrological research that embodies some of the approach of literary criticism and some of the approach of science?" (ALEXANDER 1983a)

DEANs Antwort: "Alexander concludes that astrology is not scientifically valid and is more like poetry. In other words he is saying that although Virgoans are really no more Virgoan than non-Virgoans, Virgoan is still a useful (and evocative) synonym for fussy....This reduces astrology to a literary device based on a set of appealing synonyms - in other words to verbal chewing gum, in which case there is not much point in using the right chart." (DEAN 1984)

70. An dieser Stelle zeigt sich, wie heterogen die Gruppe der Astrologen ist, denn es gibt eine nicht unbeträchtliche Gruppe von Astrologen, die auf die gerade gestellte Frage eindeutig mit "Ja" antworten würden. Ihrer Meinung nach ist Astrologie "Offenbarungs-Wissen", das genausowenig einer Prüfung bedarf wie das Evangelium. Gegen diese Haltung ist, wenn sie unmißverständlich deutlich gemacht wird, nichts einzuwenden. Ich würde mir nur wünschen, daß die Art, wie Astrologie dann betrieben wird, auch im Einklang mit dieser Grundhaltung steht, daß z. B. die gleiche Toleranz möglich ist, wie sie sich im Verhältnis der großen Weltreligionen zueinander heute weitgehend eingebürgert hat.

71. Weiter schreibt FROMM: " .... besteht doch ein deutlicher Unterschied zwischen der Beobachtung eines Menschen in seiner Totalität und Lebendigkeit und der Beobachtung gewisser Aspekte seiner Persönlichkeit, die man von der Gesamtpersönlichkeit abgetrennt hat und nun ohne Beziehung auf das Ganze untersucht. Man kann dies nicht tun, ohne die isoliert untersuchten Aspekte zu entstellen, weil sie mit jedem anderen Teil des Systems Mensch in einer ständigen Interaktion stehen und außerhalb des Ganzen nicht zu verstehen sind. ... Man kann diesen oder jenen Aspekt untersuchen, aber alle Ergebnisse, die man auf diese Weise erreicht, sind notwendigerweise falsch." (1979, 23 ff)

72. Die Entwicklung der Wissenschaften vollzog sich, wie die Entwicklung unseres Wissens überhaupt, in der Form der "Ausdifferenzierung": Im zunächst Einheitlichen werden unterschiedliche Bestandteile erkannt, für die dann jeweils unterschiedliche Gesetze oder Regeln gelten. So differenziert ARISTOTELES die einheitliche Vorstellung des Seins, welches "in sich ruht" und dadurch das Werden zu einem Problem macht, in die zwei "Aspekte" Substanz und Akzidenz. (HIRSCHBERGER1965, 188). KANT differenziert die zunächst einheitliche Erfahrung von Dingen in eine Erfahrung "a priori" und eine Erfahrung "a posteriori", und für beide Arten der Erfahrung gelten andere Gesetzmäßigkeiten.(HIRSCHBERGER1969,268f)

In den Naturwissenschaften vollzog sich eine ähnliche Differenzierung von zunächst als Einheit angesehenen Erscheinungen. So kennen wir heute statt der 4 Elemente des EMPEDOKLES (492 v.Chr.): Feuer, Wasser, Erde und Luft, das periodische System mit mehr als 90 Elementen.

In diesem Prozeß der fortschreitenden Differenzierung hat der Mensch gelernt, Dinge nicht für das zu nehmen, als das sie "erscheinen": Ein Regenbogen ist "in Wirklichkeit" eine optische Täuschung (eine Brechung des Sonnenlichts in den Regentropfen), wir können also nicht seinen Anfang finden und dort auf ihn hinaufsteigen. "In Wirklichkeit" sind da nur Regentropfen und weißes Sonnenlicht. - Die Maschine, an der ich schreibe, "scheint" nur solide. "In Wirklichkeit" besteht sie hauptsächlich aus Zwischenräumen: Sie besteht nämlich aus Atomkernen, die von Elektronen umkreist werden, die im Verhältnis Kerndurchmesser zu Abstand weiter entfernt sind als der Mond von der Erde.

Aber die Zwischenräume, um die es hier geht, sind "andere" Zwischenräume als die zwischen Billard-Kugeln, die man einfach näher zusammenlegen kann, die man ohne Probleme "dichter packen" kann. Im Bereich unserer Alltagserfahrung sind mit dem Wort Zwischenraum Assoziationen verknüpft, die im Bereich der Elementarteilchen nicht übertragbar sind. Man müßte das Wort also, angewendet auf Elementarteilchen, in Anführungsstriche setzen. Wenn wir den Begriff Zwischenraum, gebildet am Beispiel unserer Alltagserfahrung, auf Bereiche übertragen, die der ursprünglichen Erfahrung "unähnlich" sind, dann müssen wir sehr vorsichtig mit unseren Schlüssen sein.

Auf jeder neuen Reflexionsstufe muß der Mensch offensichtlich erneut lernen, Dinge nicht für das zu nehmen, als was sie "erscheinen": Wird zunächst das sinnliche Phänomen "zu naiv" interpretiert, so besteht auf der nächsten Reflexionsstufe die Gefahr, daß die Modelle, die man sich von der Wirklichkeit macht, mit der Wirklichkeit selbst verwechselt werden. So ist z. B. das BOHRsche Atom-Modell nur eine "Annäherung" an die Wirklichkeit. Das Atom ist nicht ein Kern aus Protonen und Neutronen, der von Elektronen "umkreist" wird. Das Modell ist eine gedankliche Hilfskonstruktion, mit der man sich verschiedene feststellbare Verhaltensweisen von Atomen anschaulich machen kann. (WEIZSÄCKER 1971, 307)

Dieser Reifikation genannte Irrtum, hypothetische Konstrukte als reale Entitäten mißzuverstehen, scheint z. B. bei vielen Anhängern der Psychoanalyse verbreitet gewesen zu sein, so daß Sigmund FREUD sich veranlaßt sah, verschiedentlich davor zu warnen, z. B.in bezug auf das hypothetische Konstrukt des "Unbewußten" (FREUD 1905)oder in bezug auf den Begriff "Regression": "Ich hoffe, wir sind weit entfernt, uns über die Tragweite dieser Erörterungen zu täuschen. Wir haben nichts anderes getan, als für ein nicht zu erklärendes Phänomen einen Namen gegeben." (FREUD 1900 und 1923)

73. "Es hat in der Vergangenheit ganz andere Arten, Wissenschaft zu betreiben, gegeben als die, welche uns durch den heutigen Wissenschaftsbetrieb vorexerziert wird. Historische Beispiele für andere Arten von Naturwissenschaft bilden etwa: die aristotelische Physik; die Astronomie des Ptolomäus; die Optik von Newton; die Elektrizitätslehre von Benjamin Franklin; die Phlogistonchemie. Der heutige Naturforscher hat die Neigung, hier einfach von veralterten Anschauungen oder sogar von Mythen zu sprechen. Zweierlei kann man einer solchen Einstellung entgegenhalten: Erstens: ist diese Grenzziehung unfundiert; denn wie kann man von Mythen sprechen, wenn diese, wie sich zeigen läßt, durch ähnliche Methoden und aufgrund gleicher Vernunftgründe geglaubt wurden wie die heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse? Zweitens: Welche Garantie haben wir denn, daß man in näherer oder fernerer Zukunft über Relativitätstheorie und Quantenphysik nicht ähnlich denken wird? Zu behaupten, dies sei ausgeschlossen, wäre nichts weiter als Ausdruck intellektuellen Hochmutes und überdies eine irrationale Verabsolutierung der heute üblichen Methoden sowie der heute für gültig angesehenen Auffassungen." (STEGMÜLLER 1979, S. 736 f)

74. "Der Empirismus ist ein Produkt der Eingefahrenheit geläufiger Erfahrungsformen. Er verfällt der Verführung der 'Evidenz', mit der ihm das Totum seiner Erfahrungsweise als das allein erfahrungsmäßig Zugängliche erscheint. Er weiß nichts von der Geschichtlichkeit der Erfahrung, nichts von der Veränderung, Entwicklung, ja von den revolutionären Durchbrüchen möglicher Erfahrung in erweiterter, medialer Sensitivität und macht sich in dem Typus von Erfahrung breit, in dem ihm zufällig die Leistungsfähigkeit von Erfahrung überhaupt aufgegangen ist. Gewöhnlich sind dies die dinglichen Erfahrungsweisen, während die höheren Erfahrungsformen der Personalität, der Historizität, der Sozialität und der Freiheit 'spekulativ' oder 'subjektiv' erscheinen, obwohl sie es nicht sind. " (ROMBACH 1974a, 44)

Dieser hier erwähnte Empirismus würde allerdings dem "Evidenz-

Erleben" des Astrologen gegenüber ebenfalls von einer "Verführung der Evidenz" sprechen, nur mit umgekehrter Argumentation.

75. Zitiert nach EYSENCK/NIAS 1982, 106

76. Nach KERLINGER (1973, 529) bedeutet quantifizieren, einem Untersuchungsgegenstand eine Zahl zuzuordnen. In dieser allgemeinsten Bestimmung ist implizit seine Behauptung: "All materials are potentially quantifiable" (a. a. O.) bereits enthalten, denn wenn dabei über die Dimension, hinsichtlich derer quantifiziert werden soll, nichts ausgesagt wird, ist dies immer möglich - und sei es dadurch, daß ich mein Material in eine Rangfolge meiner Präferenz oder den Zeitpunkt meines ersten Kennenlernens bringe. Ich nenne diese Bestimmung von Quantifizierung daher trivial, da dabei über die Angemessenheit der Zuordnung meiner Zahl nichts ausgesagt und nichts verlangt wird. Mir erscheint folgende Bestimmung des Begriffes angemessen: Quantifizieren bedeutet die Zuordnung von Zahlen zu den Bedeutungsunterschieden entlang einer untersuchten Dimension, so daß die Verhältnisse zwischen den Zahlen die Bedeutungsunterschiede entlang meiner Dimension widerspiegeln.

Siehe dazu auch LOCKOWANDT 1984.

77. Dies ist natürlich nur sinnvoll, wenn ich von diesem Kriterium schon weiß, daß es die Persönlichkeits-Struktur des Horoskop-Eigners angemessen repräsentiert.

78. "Wieso können wir dieselbe harmonische Fortschreitung im Klanggewand eines Orchesters als im Klaviersatz identifizie-ren? Die Mechanismen, auf denen solche für das Erkennen von Bedeutungen grundlegenden Klassifikationsprozesse beruhen, sind außerordentlich schwierig zu beschreiben." (MOTTE-HABER, 1985, 85)

79. "Die Naturwissenschaft ist meinem Gefühl nach nicht weit genug entwickelt, um sagen zu können, daß das nicht wahr sein kann - und auch nicht weit genug entwickelt, um zu sagen, wie es zusammenhängt, wenn es wahr ist." (WEIZSÄCKER 1976)

80. Mit dem Oszillographen können selbst unhörbare Nuancen sogar sichtbar gemacht werden, die Digital-Schallplatte zeigt, daß Musik physikalisch vollständig quantifizierbar ist.

81. "Im Unterschied zu anderen neueren Lehrbüchern der Musik- psychologie gehe ich nicht von der Wahrnehmung der Schall- welle aus, weil diese Lehrbücher demonstrieren, daß es fast unmöglich ist, von dieser Basis aus zum Verständnis musikali-scher Ereignisse fortzuschreiten." (a. a. O., 10)

82. "Zweifellos gibt es die geborenen Psychotherapeuten, die nicht nur in den suggestiven Techniken, sondern auch in den aufdeckenden Methoden intuitiv charismatische Fähigkeiten entwickeln, die nicht lehrbar sind." (STROTZKA 1975, 5)

83. LOCKOWANDT (1973) hat versucht, den "Prozeß der Urteilsbildung in der Schriftpsychologie" transparent zu machen. Seiner Ansicht nach ist das nicht bewußt "kontrollierte" Denken geradezu eine Vorbedingung für das Zustandekommen eines gelungenen Gutachtens (für den Bereich astrologischer Gutachten siehe dazu auch NIEHENKE 1986a). Zur immer wieder geäußerten Kritik an solcher Methode der Urteilsbildung schreibt er: "Man nannte dieses hypnagoge Denken mystisch und nicht wissenschaftlich. Dieser Vorwurf ist gänzlich unberechtigt und zeugt davon, daß seine Urheber die Gesetze des produktiven Denkens nicht kennen. ... Diese Kritik glaubt nämlich, Denkprozesse müßten immer unter der strengen Führung des steuernden und regulierenden Ich verlaufen. Das ist schon bei einfachen produktiven Denkverläufen nicht der Fall."

84. Dies ist eine keineswegs triviale Frage. Wir wissen, daß Einzelaussagen, die aus einem Zusammenhang gerissen sind, dadurch in ihrem Sinn völlig entstellt werden können. Ebenso ist es denkbar, daß erst der Sinnzusammenhang der Gesamtdeutung jeder einzelnen Aussage ihre ihr zukommende Bedeutung verleiht. Für das Seelenleben des Menschen ist z. B. der Konflikt widerstreitender Motive und Impulse typisch: Es ist mir wichtig, mich mit meinen Bedürfnissen durchzusetzen, ich möchte aber auch von den anderen geliebt werden. Bei jeder Einzelaussage könnte ich nur "Jein" antworten. Die kleinste sinnvolle Einheit für eine Aussage wäre: Ich bin in einem Konflikt zwischen ... Daher ist, wenn überhaupt, eine Zerlegung nur möglich, wenn die Einzelaussage wiederum eine "sinnvolle Ganzheit" (s.u.) darstellt. In einer solchen Ganzheit steckt aber womöglich "das Bewußtsein des Gesamtzusammenhangs" schon drin (Hermeneutischer Zirkel).

85. "Die Natur erklären wir, das Seelenleben verstehen wir." Zitiert nach REITER (1974, 34)

86. "Um Unklarheiten aus dem Wege zu gehen, gebrauchen wir den Ausdruck 'Verstehen' immer für das von innen gewonnene Anschauen des Seelischen. Das Erkennen objektiver Kausalzusammenhänge, die immer nur von außen gesehen werden, nennen wir niemals verstehen, sondern immer 'erklären'." (JASPERS 1948, 24)

" ... würde eine völlige Quantifizierung der untersuchten Vorgänge voraussetzen, die beim Seelischen, das seinem Wesen nach immer qualitativ bleibt, prinzipiell nie möglich ist, ohne den eigentlichen, nämlich den seelischen Untersuchungsgegenstand, zu 'verlieren'." (a. a. O., S. 251)

87. Was ich hier "Idee" nenne, heißt in der Psychologie gewöhnlich "hypothetisches Konstrukt", um anzudeuten, daß es sich dabei um einen nicht direkt beobachtbaren Sachverhalt handelt, den man nur aufgrund der Beobachtung bestimmter konkreter Verhaltensweisen "erschließen" kann. Ich setze hier jetzt voraus, daß es zu den Gestalten meiner Wahrnehmung (den "hypothetischen Konstrukten") auch korrespondierende Persönlichkeitsmerkmale der Menschen gibt.

88. Man könnte bezweifeln, ob beide Aspekte dieses "Vexier-Bildes" überhaupt etwas über den Beurteilten aussagen, denn beide sind im wesentlichen (moralische) Bewertungen bestimmter Handlungen. Man kann jedoch von dieser Bewertung durchaus absehen: beide Aspekte der Betrachtung beinhalten nicht nur Bewertungen eines bestimmten Verhaltens, sondern es sind auch zwei unterschiedliche Verhaltensmuster angesprochen. Der "Geizhals" wird, wenn sparsamer Umgang mit Geld für ihn typisch ist, in vielen Situationen tatsächlich anders reagieren als der "arbeitslose Familienvater", der vielleicht nur nolens-volens sparsam mit Geld umgeht.

89. Weitere Aspekte der Problematik von Selbstbeschreibungs-Fragebogen werden in Kap. 7 im Abschnitt "Das Meßproblem" erörtert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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