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Forschung

 

Kapitel 7: Einige Beispiele aus der empirischen Astrologie-Forschung

 

Studien im Rahmen des naturwissenschaftlichen Zugangs

Ein sehr gutes Beispiel für Arbeiten dieser Art wurde im zweiten Kapitel bereits vorgestellt (das Verhalten der Austern in Abhängigkeit von der Mondstellung). LIEBER (1980) gibt in dem Buch, dem dieses Beispiel entnommen wurde, eine Fülle weiterer Beispiele für Studien, die einen Zusammenhang zwischen der Stellung des Mondes und verschiedensten chemischen, biologischen, medizinischen und sozialen Faktoren belegen.

Besonders beeindruckend sind Studien, in denen die Abhängigkeit chemischer Reaktionen von kosmischen Bedingungen gezeigt wird, da diese Studien nicht auf den Nachweis von Korrelationen zwischen entsprechenden Faktoren beschränkt sind, sondern experimentell variiert werden können. Zu den interessantesten Studien zählen solche, die zeigen, daß die Eigenschaften des Wassers sich in Abhängigkeit von kosmischen Bedingungen ändern: der menschliche Körper besteht zu 65 % aus Wasser. Von besonderem Interesse ist dabei, daß Wasser seine größte "Sensibilität" für verschiedenste Einflüsse (z. B. auch solche elektromagnetischer Art) im Temperaturbereich zwischen 35 und 40 Grad hat: in diesem Temperaturbereich bewegt sich die Körpertemperatur der meisten Warmblüter einschließlich des Menschen.

 

Der Berliner Bakteriologe BORTELS stellte fest, daß der Gefrierpunkt des Wassers, außer durch die uns bekannten Faktoren, wie z. B. Luftdruckschwankungen, auch von kosmischen Bedingungen abhängt. Es scheint dabei eine Strahlung für die Veränderung dieser Eigenschaft des Wassers verantwortlich zu sein, denn wenn BORTELS seinen hermetisch abgeschlossenen Behälter mit einem Metallschirm umgab, der elektromagnetische Strahlungen abhält, so hörten die Veränderungen auf. (EYSENCK/NIAS 1982, 196)

Das am besten gesicherte Ergebnis in dieser Richtung geht auf Untersuchungen des italienischen Forschers Giorgio PICCARDI zurück. Seine Ergebnisse, die sich auf mehrere Hunderttausend Einzeltests stützen, wurden von verschiedenen Forschern in verschiedenen Weltgegenden erfolgreich repliziert (DEAN/MATHER 1977, 503ff, EYSENCK/ NIAS 1982, 195ff): PICCARDI stellte fest, daß chemische Reaktionen in Wasser von Sonneneruptionen beeinflußt werden. In seinen Versuchen verwendete er Wismutoxychlorid und beobachtete die Ausfällgeschwindigkeit, wenn es in destilliertes Wasser gegossen wurde. Es zeigte sich, daß an Tagen mit Sonneneruptionen die Geschwindigkeit dieser chemischen Reaktion sprunghaft anstieg. Noch wesentlicher aber ist, daß dieser Anstieg der Reaktionsgeschwindigkeit durch einen Schutzschirm aus Kupferblech verhindert werden konnte.

Ebenfalls sehr bekannt geworden sind die von Rudolf STEINER initiierten Forschungen seiner Schülerin Lili KOLISKO (1929), die das Ausfällen von Metallen aus Metall-Salz-Lösungen in Abhängigkeit von bestimmten "Aspekten" der Planeten beobachtete. In der astrologischen Tradition wird jedem Planeten ein für ihn typisches Metall zugeordnet, so z. B. Eisen dem Mars, Gold der Sonne, Silber dem Mond und Blei dem Saturn. KOLISKO fand, daß die chemische Reaktion des Ausfällens von Silber (Mond) aus einer Eisen-Silber-Lösung (Mond-Mars) anders verlief, wenn Mond und Mars zur Zeit des Experimentes gerade eine Konjunktion (einen Winkel von 0 Grad) bildeten. Auch diese Arbeiten wurden von mehreren Forschern wiederholt, jedoch nicht immer mit dem gleichen Resultat (DEAN/MATHER 1977, 229ff).

Eine Vielzahl von Arbeiten beschäftigt sich mit den Einflüssen des 11jährigen Sonnenflecken-Zyklus auf die verschiedensten Vorgänge (u. a. die oben zitierten Arbeiten von PICCARDI). Unter diesen Studien sind diejenigen besonders gut bestätigt, die sich mit dem Zusammenhang von Sonnenflecken und Gesundheit beschäftigen. So gibt es gut belegte Studien, die einen Zusammenhang zwischen Sonneneinstrahlung und der Anzahl der weißen Blutkörperchen im menschlichen Blut festgestellt haben: "Röntgenstrahlen und Gammastrahlen ließen den Albuminspiegel verhältnismäßig unbeeinflußt. Nur die Sonnenstrahlung hatte eine so auffällige Wirkung. Ein möglicher Hinweis auf die Art der entscheidenden Strahlung ergab sich aus dem Umstand, daß der Spiegel auch unmittelbar vor Sonnenaufgang anstieg. Von niedrigerfrequenten elektrischen Wellen weiß man, daß sie um diese Zeit ebenso zunehmen wie während einer erhöhten Sonnenfleckentätigkeit." (EYSENCK/NIAS 1982, 200)

Daß die Sonnenaktivität mit biologischen Prozessen auf der Erde in vielfältiger Weise zusammenhängen muß, belegen statistische Studien über Zusammenhänge zwischen Sonnenaktivität und Unfall-Häufigkeit, der Zahl der Einlieferungen in psychiatrische Kliniken, dem Wetter, der Erdbebenhäufigkeit und dem Radioempfang (referiert bei EYSENCK/NIAS 1982, und DEAN/MATHER 1977).

 

Für die Astrologie interessant werden diese Studien aber erst dann, wenn sich ein Zusammenhang zwischen den Aktivitäten der Sonne und der Stellung der Planeten nachweisen läßt. In diesem Fall wäre eine geschlossene "Ursache-Wirkungs-Kette" von Planeten-Kostellation über die Beeinflussung der Sonnenaktivität auf biologische, chemische und biophysikalische Prozesse auf der Erde denkbar.

Einen solchen Zusammenhang zwischen Planeten-Konstellation und Sonnenaktivität scheinen eine ganze Reihe von Astronomen anzunehmen: "Seit der Jahrhundertwende sind Dutzende von Arbeiten von Astronomen und Geophysikern aus aller Welt veröffentlicht worden, die für solche Korrelationen sprechen." (LANDSCHEIDT 1984, 66) LANDSCHEIDT selbst bringt in der gleichen Arbeit besonders überzeugende Belege auf der Grundlage der durch die Planetenkonstellationen bewirkten Schwingungen der Sonne um den Massenschwerpunkt des Sonnensystems (der natürlich nicht identisch ist mit dem Zentrum der Sonne). Seine Schlußfolgerung lautet: "Nach Untersuchungen, die zwei Jahrzehnte andauerten, steht jetzt fest, daß Drehmomentstöße in der Art des Jahres 1951, welche die Schwingungen der Sonne um das Massenzentrum antreiben, in einer engen Beziehung zum Verlauf aller bekannten Zyklen solarer Aktivität stehen. Dieser Zusammenhang ist so zuverlässig, daß er praktische Vorhersagen möglich macht." (a. a. O., 79)

Die wenigen hier erwähnten Studien deuten Zusammenhänge an, die zu verfolgen doch so "spannend" sein müßte, daß Wissenschaftler sich über eine derartige Aufgabe in dem heutzutage durch Zersplitterung in kleinste Teile gekennzeichneten und als Folge davon oft zur Routine erstarrten Forschungsbetrieb eigentlich nur freuen könnten. Doch: "Hier müssen wir, wie so oft in diesem Buch, bedauernd feststellen, daß interessante und gut durchgeführte Forschungsarbeiten mit wichtigen Resultaten nicht repliziert oder weiterverfolgt wurden - vielleicht, weil Wissenschaftler Angst davor haben, als Quacksalber etikettiert zu werden, wenn sie sich mit vermuteten Wirkungen beschäftigen, für die sich nicht sofort eine physikalische Erklärung findet." (EYSENCK/NIAS, 1982, 203)

 

Die Arbeiten der GAUQUELINs

Es ist unmöglich, hier eine vollständige Übersicht über das mehr als 40jährige Schaffen Michel GAUQUELINs und seiner Frau Françoise zu geben. Ohne auf Einzelheiten der sehr komplexen statistischen und demographischen Methodenprobleme einzugehen, sollen einige Ergebnisse dargestellt werden, die mittlerweile "klassisch" zu nennen sind, u. a. den sog. "Mars-Effekt" in den Horoskopen von Sport-Champions, der in mehreren (von GAUQUELIN unabhängigen) Untersuchungen mit Daten aus verschiedenen Ländern immer wieder repliziert werden konnte.

Die astronomischen Grundlagen

In der Astrologie werden, wie in Kapitel 3 gezeigt wurde, zwei verschiedenen Bewegungen der Gestirne unterschieden: Eine Bewegung der Planeten durch den Tierkreis, die auf der Revolution der Planeten um die Sonne beruht; eine andere Bewegung von Aufgang-Kulmination-Untergang eines jeden Planeten, die auf der Rotation der Erde um sich selbst beruht. GAUQUELINs Arbeiten beschäftigen sich (nach erfolglosen Versuchen, die Bedeutung der Tierkreiszeichen statistisch zu erhärten) nahezu ausschließlich mit dieser zweiten Bewegung der Planeten.

In der astrologischen Tradition hat ein Planet, der gerade aufgeht, eine besondere Bedeutung. Man sprach im Mittelalter davon, daß jemand ein "Jupiter-Kind" oder ein "Mars-Kind" sei, wenn Jupiter oder Mars im Moment der Geburt gerade am Horizont aufgegangen waren - diese Planeten-Kinder-Typologie war damals ähnlich populär wie die heutige Tierkreiszeichen-Typologie. Ebenso hat die Stellung eines Planeten in der Kulmination (am höchsten Punkt des Himmels) astrologisch schon immer eine besondere Bedeutung gehabt - analog der Mittagsstellung der Sonne, der Stellung der intensivsten Sonneneinstrahlung.

 

 

Abbild 19

Für seine Untersuchungen unterteilte GAUQUELIN den durch die Rotation der Erde entstehenden scheinbaren Bogen, den jeder Planet am Himmel zieht, beginnend vom Moment des Aufgangs dieses Planeten an, in 36 Abschnitte (Sektoren), die so gewählt sind, daß jedem Abschnitt im Durchschnitt die gleiche Aufenthaltsdauer des Planeten entspricht (siehe Abbild 19, Einzelheiten in GAUQUELIN 1983, umfassender in GAUQUELIN 1957, eine kurze Zusammenfassung der astronomischen Probleme gibt MÜLLER 1986). Seine Methode besteht darin, für jede untersuchte Person anhand der Geburtsdaten auszurechnen, in welchem Sektor sich die einzelnen Planeten im Moment der Geburt dieser Person befunden haben.

Bei einer genügend groß gewählten Zufalls-Stichprobe von Personen ergibt sich, daß für jeden Planeten und jeden der 36 Sektoren eine gleiche Aufenthaltswahrscheinlichkeit besteht. Diesen Sachverhalt veranschaulicht die Grafik in Abb. ?: Die Häufigkeit, mit der ein bestimmter Planet in einer untersuchten Gruppe im Moment der Geburt in einem bestimmten Sektor zu finden war, wird durch den Abstand vom Mittelpunkt symbolisiert. Bei einer gleichmäßigen Verteilung auf alle 36 Sektoren erhält man dann (nahezu) einen Kreis (ein regelmäßiges 36-Eck). Der Kreis veranschaulicht also die "theoretische Verteilung" (die Zufalls-Erwartung).

Der "Mars-Effekt"

Bei der Untersuchung verschiedener Berufsgruppen stellte GAUQUELIN nun statistisch auffällige Abweichungen in der Verteilung bestimmter Planeten auf die Sektoren fest: So befand sich z. B. der Planet Mars bei einer Gruppe von 576 Mitgliedern der französischen Akademie für Medizin zur Zeit ihrer Geburt wesentlich häufiger in den Sektoren nach dem Aufgang und nach der Kulmination als es bei einer Zufallsverteilung zu erwarten wäre, ebenso auffällig war die Verteilung des Planeten Saturn. Im Sinne der mittelalterlichen Planeten-Kinder-Typologie wären diese Ärzte also vorwiegend "Mars-Kinder" und/oder "Saturn-Kinder" gewesen.

Es ist für die Wertung dieses Ergebnis wichtig, zwei Dinge hervorzuheben: Zum einen verwendeten die GAUQUELINs für ihre Studien nur die Geburtsdaten von Menschen, die in dem von ihnen untersuchten Beruf hervorragendes geleistet hatten. Sie wurden dabei von der Vorstellung geleitet, daß bei solchen Menschen die für diesen Beruf typischen Merkmale in besonders ausgeprägter Form vorhanden und damit leichter nachweisbar sein müßten. Zum anderen ist das Erstaunliche an ihrem Resultat (und späteren Resultaten), daß die zu den jeweiligen Berufsgruppen gefundenen Planeten in ihrer symbolischen Bedeutung gut mit dem übereinstimmten, was man als typisch für den entsprechenden Beruf ansehen kann. Etwas vereinfacht ausgedrückt, haben die GAUQUELINs auf statistischem Wege die mittelalterliche Planeten-Kinder-Typologie in wesentlichen Teilen bestätigt.

Die GAUQUELINs untersuchten die verschiedensten Berufsgruppen mit Daten aus verschiedenen europäischen und außereuropäischen Ländern. Sie sammelten zu diesem Zweck standesamtlich gesicherte Geburtsdaten von mehr als 20.000 berühmten Persönlichkeiten, die sie, um die Nachprüfung ihrer Ergebnisse zu erleichtern, in regelmäßigen Abständen veröffentlichen (GAUQUELIN 1970, 1971, 1982, 1984). Zu den von ihnen untersuchten Berufsgruppen zählen Sportler, Militärs, Politiker, Wissenschaftler, Schauspieler, Schriftsteller, Maler, Musiker, (Wirtschafts-) Manager und Mediziner. Von jeder Berufsgruppe wurden nur "hervorragende" Vertreter in ihre Untersuchungen einbezogen: Mitglieder der Akademie der Wissenschaften, Sport-Champions, preisgekrönte Künstler usw.

Für jede Berufsgruppe untersuchten sie die Verteilung der Planeten auf die von Michel GAUQUELIN definierten Sektoren (s. o.). In Abb. 20 sieht man die Verteilung des Planeten Mars für eine Gruppe von etwa 2.000 Sport-Champions (durchgezogene Linie): Die Verteilung zeigt, daß Sport-Champions häufiger geboren werden, wenn Mars gerade aufgeht oder kulminiert (sie haben einen "martialischen" Charakter). Da diese Verteilung des Mars für Sport-Champions in mehreren unabhängig voneinander durchgeführten Studien mit Daten aus verschiedenen Ländern immer wieder bestätigt werden konnte (EYSENCK/NIAS, 1982, 274ff), zuletzt durch MÜLLER (1986), spricht man in der Literatur allgemein von dem "Mars-Effekt".

 

Abbild 20

Eine ähnliche Verteilung des Planeten Mars finden wir, außer bei den oben erwähnten Medizinern und Sportlern, noch in der Berufsgruppe der Soldaten und Wissenschaftler (hier zusammen mit Saturn). Im Gegensatz dazu erscheint Mars in den entsprechenden Sektoren signifikant seltener bei der Berufsgruppe der Schriftsteller, Maler und Musiker. In den Horoskopen dieser Berufsgruppen nimmt dagegen der Mond häufiger den Platz ein, der bei Sportlern durch Mars eingenommen wird; Mond dagegen ist, vice versa, in der Berufsgruppe der Sportler in diesen Sektoren unterrepräsentiert. Schließlich finden wir Jupiter in ähnlicher Verteilung bei Schauspielern und Politikern.

Die "Character-Traits-Method"

Die GAUQUELINs nahmen nun an, daß nicht etwa der Beruf selbst mit den Position bestimmter Planeten bei der Geburt korreliert, sondern daß es bestimmte Persönlichkeitsmerkmale sind, die für Erfolg in dem jeweiligen Beruf besonders prädestinieren. Zur Überprüfung dieser Hypothese entwickelten sie die sog."Character-Traits-Method": Es handelt sich dabei um eine Methode, objektiv festzulegen, wann einer bestimmten Person eine bestimmte Eigenschaft zugeschrieben werden soll. Sie arbeiteten dazu die Biografien jener Sport-Champions durch, die in ihre bisherigen Untersuchungen eingegangen waren. Aus diesen Biografien sammelten sie sämtliche Eigenschaftszuschreibungen, die in diesen Biografien zur Kennzeichnung der beschriebenen Personen verwendet worden waren. Jede Zuschreibung, die das Kriterium, mit einer bestimmten Mindesthäufigkeit genannt worden zu sein, erfüllte, wurde als charakterisierende Eigenschaft der entsprechenden Person in eine Liste eingetragen. Sie erhielten so für jede Person einen set von diese Person charakterisierenden Adjektiven.

Über die Angemessenheit einer solchen Festlegung: "Eine Person ist impulsiv, wenn in ihren Biografien diese Kennzeichnung ihres Wesens mindestens zehnmal auftaucht", kann man sicher streiten, doch der Erfolg spricht zunächst für die GAUQUELINs:

 

Abbild 21

In einer neuen Statistik verglichen sie solche Sport-Champions, denen in den Biografien ein "eiserner Wille" zugechrieben worden war, mit denjenigen, von denen z. B. häufiger ausgesagt wurde, sie hätten weit mehr erreichen können, wenn sie einen stärkeren Willen (z. B. zum Trainieren) gehabt hätten. Das Ergebnis sehen wir in Abb. 21. Wie man sieht, wurde ihre Hypothese bestätigt. Während die "willens-starken" Sportler eine Verteilung aufweisen, die der charakteristischen Verteilung der ganzen Gruppe entspricht, ist die Verteilung der "willens-schwachen" Sportler entgegengesetzt.

 

Umgekehrt konnten die GAUQUELINs nun für jede der Eigenschaftszuschreibungen überprüfen, inwieweit sie als charakteristisch für einen bestimmten Planeten anzusehen war, indem sie für die Gruppe von Personen, denen diese Eigenschaft gemeinsam war, die Verteilung des betreffenden Planeten auf die Sektoren untersuchten. Auf diese Weise erhielten sie für jeden untersuchten Planeten eine empirisch ermittelte Liste von "Schlüsselworten" (key-words). Das wirklich Erstaunliche an diesen Schlüsselworten ist, daß sie sich beinahe lesen wie Beschreibungen aus einem Astrologie-Lehrbuch zu den jeweiligen Planeten-Bedeutungen (GAUQUELIN, F., 1982). Erstaunlich ist das deshalb, weil diese Charakterisierungen ja auf eine strikt "empirische" Weise ermittelt wurden durch ein Verfahren, das in dem Sinne objektiv ist, daß es von jedermann in gleicher Weise nachvollzogen werden kann. Darin liegt auch die nicht zu überschätzende Bedeutung dieser Arbeiten der GAUQUELINs. Dennoch darf man diese Ergebnisse nicht so interpretieren, als hätten die GAUQUELINs damit "die Bedeutung der Planeten" erfaßt, denn sie können nur das an Bedeutung finden, das ihre Methode zu finden erlaubt. Sie gingen aus von isolierten Eigenschaftszuschreibungen, wie sie von bestimmten Menschen, nämlich den Biografen, vorgenommen wurden. Sie können also auch nur auf der Ebene dieser so "definierten" Charakter-Merkmale etwas über die Bedeutung der Planeten-Symbole "erfahren". Ihre Methode, deren unschätzbarer Vorteil gerade in ihrer Einfachheit und leichten Objektivierbarkeit liegt, ist nämlich nicht geeignet, mehr als ein "holzschnitt-artiges" Bild der Charakter-Struktur einer Person zu entwerfen, bestehend aus einer Sammlung von "Etiketten". Die beschreibenden Begriffe werden in den jeweiligen Biografien durch den Kontext nuanciert und in eine "Gestalt" integriert, so daß sie dort mehr sind als Etiketten. Das reine Auszählen löst sie aus diesem Zusammenhang und macht sie zu Einzelteilen eines Puzzles .

Aus all den genannten Gründen war bei einer derartig "groben Messung" im voraus ein solches Ergebnis, wie die GAUQUELINs es dann erhalten haben, nicht zu erwarten. - Es kommt in den Wissenschaften offensichtlich manchmal darauf an, mit einem gewissen "Spürsinn" für den erfolgreichen Weg auszuprobieren.

Und mit diesem Spürsinn ist den GAUQUELINs bei dieser Methode ein Kunstgriff besonderer Art geglückt: Indem sie Biografien als Ausgangs-Daten nehmen, die ja von "gestalt-sensiblen" menschlichen Wesen verfaßt werden, sind in ihrer Methode "ganzheitliche Urteile" enthalten, die zudem ein hohes Maß an Subjektivität aufweisen. Diese "Subjektivität" der Urteile, auf denen ihre Ausgangsdaten gründen, wird durch das scheinbar mechanische Auszähl-Verfahren nur verwischt. Es ist jedoch plausibel anzunehmen, daß diese Subjektivität, anders als bei der Beurteilung eines Gutachtens durch die betroffene Person (oder ihren Biografen...), sich nicht zugunsten der astrologischen Hypothese auswirkt, da die Biografie nicht im Hinblick darauf konzipiert worden ist. Das Urteil des Biografen ist also unverdächtig; darin allein liegt seine "Objektivität" begründet.

Widersprüche zur astrologischen Tradition

Aus der Sicht der Astrologen haben diese beachtenswerten Untersuchungen leider eine Reihe von "Schönheitsfehlern": Bisher haben die Forschungen der GAUQUELINs nämlich nur für 5 der 10 in der Astrologie bedeutsamen Himmelskörper, nämlich für Mond, Venus, Mars, Jupiter und Saturn statistisch auffällige Resultate erbracht, nicht dagegen für die Planeten Merkur, Uranus, Neptun, Pluto und, vor allem, auch nicht für die Sonne. Es bleibt, sollte sich dies nicht ändern, ein großes Rätsel, wieso "die Alten" in der Beschreibung der fünf "signifikanten" Planeten so treffend beobachtet haben, sich dagegen in der Beschreibung von Merkur und Sonne (Uranus, Neptun und Pluto wurden erst in den letzten zwei Jahrhunderten entdeckt) so getäuscht haben sollten.

Eine mögliche Erklärung dafür, daß bei den GAUQUELIN'schen Studien für Merkur und Sonne keine Resultate erzielt wurden, könnte darin gründen, daß Merkur und Sonne aus astronomischen Gründen in geozentrischer Sicht immer nah beieinander stehen und daher ihre Bedeutungen mit den GAUQUELIN'schen Methoden schwer zu differenzieren sind (sie halten sich oft in den gleichen oder nah beieinanderliegenden Sektoren gleichzeitig auf). Nun sind die Effekte, die die GAUQUELINs erhalten, sehr schwach (und nur aufgrund der großen Zahlen an Personen statistisch so signifikant); eine Überlagerung von Bedeutungen zweier recht unterschiedlicher Planeten kann also potentielle Effekte "zum Verschwinden bringen".

Die bedeutsamste Einschränkung der GAUQUELIN'schen Forschungsergebnisse inbezug auf die Vereinbarkeit mit der astrologischen Tradition besteht darin, daß sie mit der hier vorgestellten Methode keinerlei Zusammenhänge finden konnten, die für einen "Effekt" der Tierkreiszeichen sprechen. Planeten und Tierkreiszeichen werden in der Astrologie mit der gleichen Selbstverständlichkeit benutzt. Wir stehen also vor der Tatsache, daß die astrologische Tradition in der Charakterisierung der Planetenbedeutungen (zumindest in einigen Fällen) "ins Schwarze getroffen" hat, daß aber eine mit gleicher Selbstverständlichkeit seit Jahrtausenden benutzte Tierkreis-Typologie empirisch nicht bestätigt werden kann. Dieser Widerspruch war der eigentliche Auslöser für eine vom Verfasser vorgelegte Dissertation (NIEHENKE 1987).

 

 

 

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