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Kapitel 2.1

 

Kapitel 2.1: Die Grundannahme der Astrologie

 

Astrologie ist, in allgemeinster Form ausgedrückt, die Deutung räumlicher Verhältnisse und zeitlicher Abläufe in unserem Sonnensystem. Sie basiert auf der Grundannahme, daß die sich aus solchen Verhältnissen ergebenden Rhythmen in Zusammenhang stehen mit physikalischen, biologischen und psychischen Abläufen in Organismen auf der Erde *21.

Wenn ein Kind geboren wird, so die Überzeugung der Astrologen, dann erfolgt die Geburt "eingebettet" in solche kosmischen Rhythmen. Sie erfolgt also nicht zu jedem beliebigen Zeitpunkt, sondern die Geburt erfolgt dann, wenn die Konstellationen passend sind. Ein Zitat aus einem Buch des amerikanischen Arztes Arnold LIEBER, der sich mit möglichen Einflüssen des Mondes auf biologische Systeme aus der Sicht des Mediziners beschäftigt hat, mag dies verdeutlichen:

"Schalentiere in Gezeitengewässern könnten ihr Zeitmaß dem Gezeitenwechsel entnehmen, oder sie könnten es auf andere Weise erhalten. Um die Rhythmisierung durch die Gezeiten zu untersuchen, ließ Dr. Brown für sein Labor in Evanston Austern von der Küste Connecticuts einfliegen. Von der Austern war bekannt, daß sie ihre Schalen bei Flut öffneten. Im Laboratorium wurden die Versuchsbedingungen so sorgsam wie möglich überwacht. Keine äußeren Einflüsse durften zu den Austern in ihre Seewasserbehälter gelangen.In der ersten Woche öffneten die Austern ihre Schalen zu den Zeiten, während derer auf ihren angestammten Bänken in Connecticut Fluten eintraten. Sie setzten ihren gewohnten Rhythmus fort. Nach Ablauf von zwei Wochen änderte sich allerdings ihr zeitliches Verhalten. Nun öffneten sie ihre Schalen, wenn der Mond im Zenit ihrer neuen Heimatstatt in Illinois stand. Wäre Evanston eine Küstenstadt, dann träte zu dieser Zeit die Flut ein." (LIEBER 1980, 72)

Wir haben hier ein solches Eingebettet-Sein in kosmische Rhythmen, für das uns allerdings wegen des Zusammenhangs von Mondstellung und Gezeiten auch eine naheliegende Erklärung zur Verfügung steht. Erstaunlich ist nur, daß die Austern als Zeitgeber nicht direkt auf den Wechsel von Ebbe und Flut reagieren, sondern auf den Mond. Es zeigt sich also, daß Organismen dazu in der Lage sind. Astrologen sind davon überzeugt, daß in weit komplizierterer und weniger augenfälliger Weise eine Einbettung aller lebenden Systeme (bzw. aller "Quasi-Organismen", siehe Anm. 21) in verschiedenste kosmische Rhythmen besteht, also nicht allein in Rhythmen, die durch den Mond erzeugt werden (Gezeiten) oder die durch die Stellung der Erde zur Sonne erzeugt werden (Jahreszeiten).

Da ein Kind also nur geboren wird, wenn die kosmische Situation passend ist, kann man aus der Konstellation im Moment der Geburt etwas über das Kind ableiten; denn ähnliche Menschen werden dann immer unter ähnlichen Konstellationen geboren werden. Dies würde zumindest gelten, solange in die natürlichen Abläufe in ihrer Abfolge und zeitlichen Struktur nicht gewaltsam eingegriffen wird, wie z. B. im Falle einer Geburt durch Kaiserschnitt oder, schwächer, im Falle einer medikamentös eingeleiteten Geburt. In diesen Fällen wäre die Konstellation kein so guter Indikator für die Wesensmerkmale des Kindes mehr.

Die Vorstellung, daß die Aussagemöglichkeiten der Astrologie auf einer Sensibilität von Organismen für kosmische Rhythmen beruhe *22, löst ein im Zusammenhang mit der Astrologie häufig diskutiertes Problem: Es geht um die Frage, ob es nicht eine zwingende Konsequenz der "Wahrheit" der astrologischen Lehre wäre, daß wir, daß unser Schicksal schon bei Geburt vollständig festgelegt sei (Willensfreiheit-Problem). Im Lichte der angedeuteten Vorstellung ist unser Leben zwar "eingebettet" in kosmische Rhythmen, ist aber durch diese Rhythmen nicht vollständig determiniert; genausowenig wie wir durch den Tag-Nacht-Rhythmus in unserem Schlafverhalten determiniert sind oder wie Winterschläfer durch den Jahreszeiten-Rhythmus im Winter zum Schlafen determiniert sind. Winterschläfer haben aber eine Neigung, im Winter zu schlafen. Vor diesem Hintergrund bekommt der bekannte Satz von THOMAS VON AQUIN: "Die Sterne machen geneigt, sie zwingen nicht", eine anschauliche Bedeutung.

 

 

 

 

 

 

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