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Kapitel 2.3

 

Kapitel 2.3: Die Deutung des Horoskops

 

Wir müssen also unterscheiden zwischen den verwendeten Deutungselementen, d.h. den zur Deutung verwendeten astronomischen Gegebenheiten im weiteren Sinne, und der Bedeutung, die diesen Deutungselementen gegeben wird, d.h. den Interpretations-Regeln.

An dieser Stelle werden wir in der Astrologie mit einem ähnlichen Problem konfrontiert wie in der Psychotherapie: Die Astrologie gibt es nämlich genausowenig wie es die Psychotherapie gibt. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Schulen oder Richtungen sind ebenso beträchtlich wie die Unterschiede zwischen den einzelnen therapeutischen Schulen. Umso erstaunlicher ist es, daß sich die deutschen (und später auch Schweizer) Astrologen auf ein Grundsatzpapier haben einigen können, in dem die, ungeachtet aller methodischen Differenzen bestehenden, Gemeinsamkeiten formuliert worden sind. *31

Um ein gewisses Maß an Geschlossenheit in der Darstellung erreichen zu können, möchte ich die Grundgedanken, sowohl was die verwendeten Deutungselemente als auch was die Interpretations-Regeln angeht, an der als "Klassische Astrologie" bekannten Richtung darstellen. Neben der klassischen Astrologie gibt es eine Reihe sog. "moderner" Richtungen, die sich von der klassischen Astrologie zwar nicht grundlegend unterscheiden, wie das oben erwähnte Grundsatzpapier belegt, die jedoch in der Methodik und den verwendeten Deutungselementen z. T. beträchtlich von überlieferten Regeln abweichen *32. Auch der Begriff "Klassische Astrologie" ist leider nicht eindeutig: Im allgemeinen meint man damit die Orientierung an den auf die Griechen zurückgehenden Deutungselementen, deren Interpretation allerdings entsprechend dem heutigen Stand unseres Wissens über körperliche und psychische Abläufe erfolgt (s.u.).

Die hellenistische Astrologie ist ein Mischprodukt aus babylonischen, ägyptischen und orientalischen Einflüssen mit griechischer Mathematik und Naturphilosophie. Die Krönung des griechischen Lehrgebäudes erfolgte durch POSIDONIUS VON APAMEIA (um 100 v.Chr.), einen syrischen Philosophen. Das älteste erhaltene systematische Lehrbuch der Astrologie, das "Tetrabiblos" des PTOLOMAEUS (120-180 n.Chr.), ruht nachweislich auf seinen Lehren (KNAPPICH 1967, 9).

Im ersten Buch des Tetrabiblos (Vierbuch) behandelt PTOLOMAEUS die astrologischen Elemente. Er bemüht sich dabei, alles in Anlehnung an die griechische Mythologie Geschaffene durch rationale, physisch-kausale Elemente zu ersetzen, versucht auch, die "Scheingründe" zu widerlegen, "womit einige diese Wissenschaft verunglimpfen" (1822, 9). Das zweite Buch behandelt die allgemeine und politische Astrologie. Hier sagt er, auf einen beliebten Einwand anspielend, daß das Allgemeine, Generelle (z. B. Massenkatastrophen) stets dem Individuellen, dem Einzelschicksal vorangehe (S. 25ff).

Man sieht, wie alt die Spannung zwischen Magie und Ratio in der Astrologie ist: Sie soll nicht magisch sein und kann, so wie sie war und auch heute noch ist, nicht vollends rational aufgelöst werden. Andererseits ist hier schon vor fast 2000 Jahren ein Gedanke ausgedrückt, der heute bei Thomas RING und der von ihm vertretenen "Revidierten Astrologie" unter dem Stichwort Aussagegrenze wiederzufinden ist. (RING 1956, 51ff)

Thomas RING ist der im deutschsprachigen Raum wohl bekannteste Vertreter der Klassischen Astrologie, wie sie, von kleineren Abweichungen abgesehen, heute i.d.R. verstanden wird. Seine Lehrbücher gehören aber auch in vielen anderen Richtungen zu den Standardwerken (RING 1956, 1969a, 1969b).

RING unternimmt den Versuch, eine Brücke zu schlagen zwischen den Bildern und Symbolen der astrologischen Tradition und modernen biologischen und tiefenpsychologischen Erkenntnissen. In der langen Geschichte der Astrologie wurden den Bildern und Symbolen immer wiederauch konkrete, auf den Alltag beziehbare "Entsprechungen" - oft in Form kochbuchartiger Rezepte - beigegeben, deren Ursprung in diesen Symbolen dann vergessen wurde, so daß sie als starre, fatalistische Regeln Anwendung fanden. Solche Entsprechungen, die aus mittelalterlichen Lehrbüchern gut bekannt sind (MATERNUS 1975), enthalten teilweise allerdings auch sorgfältige Beobachtungen, und RING versucht in seinen Büchern, aus diesen Beobachtungen wieder das Ursprüngliche oder Eigentliche der Bedeutung herauszuschälen. Auf diese Weise wird gleichzeitig die fatalistisch mißzuverstehende Entsprechungsregel relativiert.

Es ist ein "hermeneutisches" Vorgehen, den Sinn des überlieferten Gebäudes Astrologie auf seine "Ur-Bedeutung" hin zu untersuchen, Beimengungen und Ballast aussondernd. Neue Erkenntnisse werden in das Gebäude aufgenommen, wenn sie "denknotwendig und empirisch bewährt" sind, wie Thomas RING es in einem Gespräch mit dem Verfasser einmal ausdrückte.

So wie es beim hermeneutischen Prozeß immer schon eines Vorverständnisses bedarf, das den Rahmen möglicher Ergebnisse der Deutung zugleich erst ermöglicht und auch begrenzt ("Hermeneutischer Zirkel"), bedarf es für die Astrologie dieser Art einer Vorstellung über die Natur des Zusammenhangs Kosmos-Mensch. Dieser wird aufgefaßt als ein mit den Mitteln kausal-analytischer Forschungsweise nicht voll erfaßbarer "Entsprechungszusammenhang" (siehe dazu Kapitel 4).

Ähnlich wie für PTOLOMAEUS gelten für Thomas RING Aussagen aus dem Horoskop nur relativ, und zwar vor dem Hintergrund eines aus dem Horoskop selbst nicht erschließbaren biologischen "Erbes einschließlich der Individuationsstufe, der Umwelt einschließlich der sozialgeschichtlichen Lage sowie endlich des SELBSTBESTIMMENDEN FAKTORS (Hervorhebung d. Verf.)." (1956, 52)

Individuationsstufe bedeutet ihm dabei das Maß der Entwickeltheit an sich vorhandener Anlagen. Die Entwicklung eigener Anlagen wird ja immer durch die Möglichkeiten der entsprechenden Kultur begrenzt, aber auch durch individuelle Lebensumstände. Daher können eine Reihe von Entsprechungen, die für einen Europäer möglich sind, nicht auf einen Indianer angewandt werden, aber auch solche, die für einen hochdifferenzierten Menschen anwendbar sind, nicht auf einen undifferenzierten Menschen angewandt werden. Ein grobes - allerdings oft fehlleitendes - Maß dieser sog. Differenziertheit ist dem "blind" diagnostizierenden Astrologen das Bildungsniveau - objektivierbar meist nur als Aus-Bildungsniveau.

Die Individuationsstufe bestimmt also die Differenziertheit der möglichen Deutung mit. Fast noch wichtiger ist RING der selbstbestimmende Faktor: So wie Niveaufragen, so sind auch Fragen der ethischen Haltung auf der Basis des Horoskops allein nicht beantwortbar. Man kann eben ein und dasselbe "Thema" (*33) auf sehr unterschiedliche Weise "leben".

Eigentlich müßte diese Einschränkung bei der Deutung, fatalistischen Vorstellungen zum Trotz, jedem Astrologen einleuchten, wenn er sich klar macht, daß die Interpretation eines Horoskops ja für alle Menschen möglich sein soll: für "primitive" wie für "hochzivilisierte", für den römischen Soldaten wie für den NATO-Offizier, für den afrikanischen Zulu wie für den englischen Oxford-Studenten, für den Rentner wie für den Bundeskanzler. Nun arbeitet die Astrologie aber nur mit einer begrenzten Zahl von Symbolen, und es ist einleuchtend, daß die Entschlüsselung dieser Symbole jedesmal in der konkreten Entsprechung etwas anderes bedeuten muß, wenn man sie auf einen Zulu anwendet oder den Bundeskanzler, daß nur das Prinzipielle in beiden Fällen gleich sein kann.

So sind Aussagen über Geld z. B. nur sinnvoll in einer Gesellschaft, in der es Geld oder zumindest Tauschhandel gibt. Da aber ein und dieselbe Gestirnkonstellation potentiell Aussagen für ein Neugeborenes in jedem Teil der Erde abzuleiten gestattet (gestatten müßte), können die gesellschaftlichen Umstände nicht aus der Gestirnkonstellation erschlossen werden; also können auch Geldangelegenheiten nicht direkt in astrologischen Symbolen verschlüsselt sein.

Thomas RING dazu: "Wenn das zweite Feld vulgär das 'Haus der Finanzen' heißt, so trifft dies zweifellos die meist erfragte Seite der Auswirkungen. Für den Durchschnitt der Menschen steht Erwerb und Besitz im Mittelpunkt, sofern sich die Sonne in diesem Feld befindet. Die Bedeutung des EIGENTUMS indes besteht nicht in der privaten Finanzlage als solcher, sondern in der sicheren GRUNDLAGE DER EIGENPERSON ..., und was als 'Aneignungstrieb' hierher gehört, hängt ab von der materiellen Lage, in die man hineingeboren ist, der Entwicklungshöhe und manchem anderen. Niemand kann von Karl MARX (Sonne im 2. Feld im Stier) *34 behaupten, daß er persönlich Reichtümer zu sammeln bestrebt war. Als Student sprang er unbekümmert mit den Mitteln des Vaters um, später, besonders infolge der großzügigen Unterstützung durch Friedrich Engels, regelten sich ihm die materiellen Verhältnisse im ganzen genommen ohne sein Zutun. Dennoch, eben dadurch ermöglicht, kam die Lebensaufgabe zum Vorschein, die im zentralen Punkt seiner Struktur vorgezeichnet lag: die geschichtlichen Vorgänge aus dem Besitz an gesellschaftlichen Produktionsmitteln zu erklären." (1969, 52)

Es gibt, in jeder konkreten Umwelt "ausgetretene Pfade" für die Kanalisierung bestimmter Ur-Bedürfnisse und grundlegender Konflikte. Das Verhältnis zum Ur-Thema "materielle Sicherheit" manifestiert sich in unserer Kultur am einfachsten im Verhältnis zum eigenen Bankkonto. Daß das nicht zwingend so sein muß, macht das Beispiel von Karl Marx einsichtig, daß es aber in den meisten Fällen so ist, könnte die Ursache der subjektiven Sicherheit "fatalistisch deutender" Astrologen sein. Nur "der Weise" regiert eben seine Sterne (um noch einmal THOMAS VON AQUIN zu zitieren).

Für Thomas RING symbolisieren die astrologischen Deutungselemente biologische Grundprinzipien und, damit im Zusammenhang stehend, psychologische Ur-Sachverhalte: Versucht man einmal, das Phänomen "Leben" nicht nach biologischen (biophysikalischen, biochemischen) Ordnungsprinzipien einzuteilen, sondern sucht nach übergreifenden, auf alles Lebendige gleichermaßen anwendbare Prinzipien, Grundnotwendigkeiten des Lebens schlechthin, so findet man, recht gedeutet, im System der Astrologie dafür ein gutes Vorbild. In der beschriebenen Form wurde das wohl erstmals von dem französischen Biologen R.H. FRANCE in seinem Werk "Bios" (1921) getan. Thomas RING lehnte sich an das System von FRANCE bei der Formulierung seiner "Revidierten Astrologie" auch an.

Der Planet Saturn verkörpert in diesem Sinne das biologische Grundprinzip "Integration". Damit sind auf der biologischen Ebene die im Organismus wirksamen Mechanismen der Wahrung der "Integrität" des Organismus gemeint. Zu diesen Mechanismen gehören neben anderen (z. B. der Formgebung und Abgrenzung) sicherlich solche, die die Unversehrtheit (Sicherheit) des Organismus gewährleisten müssen. Der Schutz der körperlichen Unversehrtheit erfordert ein hochkomplexes Interagieren von Systemen, wobei u.a. die Organe der Schmerzempfindung eine besondere Rolle spielen: Schmerz als Alarmsignal oder Hinweisreiz auf eine innere oder äußere Gefahr. Unter dem Gesichtspunkt der Sicherung entspricht dem Schmerz auf einer mehr psychischen Ebene die Angst. Auch Angst ist ein Hinweisreiz, ein Alarmsignal.

Die Stellung Saturns im Horoskop eines Individuums gibt nun nach Auffassung der Astrologen Auskunft darüber, welchen prinzipiellen Stellenwert der Antrieb "Sicherung der Unversehrtheit" im Vergleich zu anderen Antrieben für dieses Individuum hat und in welcher prinzipiellen Art und Weise dieser Antrieb sich zu realisieren wünscht.

Eine "dominante" Stellung Saturns in einem individuellen Horoskop würde auf einen im Vergleich zu anderen Antrieben stark ausgeprägten Sicherheits-"Trieb" schließen lassen. Psychisch betrachtet würden Sicherheit - und damit indirekt i.d.R. auch Angst und Schmerz - zum Thema für das betreffende Individuum. Eine dominante Stellung Saturns wäre also eine Art Indikator für die besondere Sensibilität diesem Thema gegenüber. Selbstverständlich hat eine solche Sensibilität lebensgeschichtlich dann meist auch Folgen: Das Individuum tendiert dazu, diesen Themenbereich akzentuiert wahrzunehmen, wodurch im Laufe der Zeit entsprechende Ausrichtungen der Interessen und Handlungen wahrscheinlich werden.

Ein andere Antriebskraft im gerade beschriebenen Sinne wird von FRANCE mit dem Begriff "Selektion" bezeichnet: die allem Lebendigen zum Überleben notwendig innewohnenden Tendenz, sich Lebensraum zu erkämpfen bzw. diesen zu verteidigen. Dieses Prinzip, diese Antriebskraft wird astrologisch durch den Planeten Mars symbolisiert.

Planeten repräsentieren also grundlegende Antriebe, die als charakteristisch für Lebendiges schlechthin angesehen werden, "Grundnotwendigkeiten" für die Existenz von Leben. Die Astrologie faßt dabei Phänomene zu einer Einheit zusammen (Organsysteme, psychische Verfassungen, Handlungen und Schicksalstendenzen), die in der uns vertrauten "analytischen" Denkweise u.U. schwer auf einen Nenner zu bringen sind. Es handelt sich eben um Symbole *35, genauer: um "Archetypen des kollektiven Unbewußten" (JUNG 1976. Siehe auch Anm. 26). Symbole repräsentieren komplexe, ggf. in sich widersprüchliche Sachverhalte, die analytisch, manchmal mit den Mitteln der Sprache überhaupt, nicht vollständig ausdrückbar sind (siehe Kap. 4.3).

Jeder Planet wird nun nach seiner Stellung im Tierkreis und in den Feldern in seiner Bedeutung näher bestimmt. Die Stellung in den Tierkreiszeichen gibt einen Hinweis auf die Art und Weise, den "Stil" der Äußerung des durch den Planeten symbolisierten Antriebs. In bezug aufdie Deutung der Saturnstellung ginge es also um die Frage, in welcher grundlegenden Weise der Sicherheits-"Trieb" gelebt wird. Bei einer Stellung des Saturns im Zeichen Stier würde sich der Antrieb "stierhaft" realisieren, was unter einem bestimmten Blickwinkel als die Tendenz zur Beharrung erscheinen würde, bei der Veränderung als potentielle Gefahr empfunden wird. Im Zeichen Jungfrau wäre die dominierende Form der Befriedigung der eigenen Sicherheitsbedürfnisse vielleicht Genauigkeit, Sorgfalt. Im Zeichen Widder vielleicht eine "immerwährende Kampfbereitschaft" usw.

Die Tierkreiszeichen bestimmen also die "Äußerungsdynamik" eines Antriebs. - Die Felder schließlich repräsentieren grundlegende "Erfahrungsbereiche", grundlegende "Themen", die für alles Leben gleichermaßen bedeutsam sind. Das schon angesprochene 2. Feld z. B. repräsentiert das Thema"Bereitstellung (Beschaffung) der materiellen Grundlagen der Existenz"; das 5. Feld das Thema "Fortpflanzung", das 10. Feld das Thema "meine Position in dem Kollektiv, dem ich angehöre": Im Falle eines Menschen ist das die Gesellschaft, der Stamm, die Nation usw., im Falle eines Huhnes die Stellung in der "Hackordnung".

Das Feld, in dem Saturn bei der Geburt steht, wäre der Erfahrungsbereich, in dem mein Sicherheits-Trieb besonders stark ausgeprägt ist. Sollte Saturn im Feld 2 stehen, würde also ein besonderes Bedürfnis nach materieller Sicherheit gefolgert werden, das im Extrem durchaus zu Geiz führen kann. In der "Vulgär-Astrologie" wird aus dieser Ableitung der möglichen psychischen Bedingungen für geiziges Verhalten die starre, fatalistische Regel: Saturn im 2. Feld bedeutet Geiz.

Die letzte wesentliche Gruppe klassischer Deutungselemente sind die Winkelbeziehungen zwischen den Planeten und Bezugspunkten des Horoskops, die Aspekte. Stehen zwei Planeten miteinander im Aspekt, so wird das als ein Aufeinander-Bezogen-Sein dieser beiden Antriebe gedeutet. Astrologen unterscheiden dabei zwei grundlegende Klassen von Aspekten: die analytischen und die synthetischen Aspekte. Zwei in einem analytischen Aspekt zueinanderstehende Planeten symbolisieren zwei Persönlichkeitsanteile, die für den Horoskopeigner schwer "auf einen Nenner" zu bringen sind; ein synthetischer Aspekt dagegen deutet auf die Fähigkeit, selbst da eine Synthese finden zu können, wo sie dem äußeren Beobachter evtl. schwer möglich erscheint.

Diese Art der Deutung sei am Beispiel eines Aspektes zwischen Mars und Saturn verdeutlicht.Wenn man vereinfachend Mars für den Drang nach Durchsetzung und Saturn für das Sicherheitsbedürfnis setzt, so würde ein analytischer Aspekt zwischen beiden auf einen Konflikt zwischen selbstbehauptenden und sichernden Impulsen im Individuum hindeuten. Das Individuum tendiert dazu, eine Befriedigung seiner Bedürfnisse nach Selbstbehauptung als gefährlich zu erleben, eine Befriedigung seiner Sicherungsbedürfnisse entsprechend als einschränkend und als Selbstbeschneidung. Es ist also für diese Konflikt-Dimension im Leben aufgrund seiner "kosmischen Natur" besonders sensibilisiert. Dies wird, wie man sich leicht vorstellen kann, wiederum zu charakteristischen Handlungsweisen und Schicksalstendenzen führen. Es ist nachvollziehbar, daß Thomas RING zu diesem Aspekt das Stichwort "Affektstau" angibt.

Die gleichen zwei Planeten in einem synthetischen Aspekt zueinander würden beim Horoskopeigner dagegen die Fähigkeit symbolisieren, beide Persönlichkeitsdimensionen zu einer "Synthese" zu führen. Eine naheliegende Form der Realisierung könnte durch das Motto: "Angriff ist die beste Verteidigung" ausgedrückt werden.

Die analytischen Aspekte, die den Akzent auf das "Unvereinbare" zweier Persönlichkeitsanteile legen, schaffen i.d.R. Probleme mit sich selbst und der Welt. Diese Aspekte haben daher in der Vulgär-Astrologie einen schlechten Ruf. Sie scheinen dem Glück im Wege zu stehen. Man kann sie aber auch als Herausforderungen sehen. Sie schaffen Problembewußtsein. Ein solches Problembewußtsein ist häufig die Vorbedingung für Lernen und damit für Erfolg:Dies ist die "aufgeklärte" Deutung analytischer Aspekte, die früher, im Gegensatz zu den "harmonischen" (synthetischen), die "disharmonischen" oder einfach die "schlechten" Aspekte genannt wurden.

Deutet man die Position aller Planeten in der angedeuteten Weise bezüglich ihrer Stellung in Tierkreis und Feld sowie den Aspekten zueinander, so erhält man ein differenziertes Bild einer Persönlichkeits-Dynamik. Das Vorgehen hat, sieht man von den verschiedenen "Ausgangs-Daten" ab, Ähnlichkeit mit der Deutung einer Handschrift oder der Interpretation eines (projektiven) Tests.

Die hier beschriebene Art, Astrologie aufzufassen, entspricht, von methodischen Einzelheiten abgesehen, der heute allgemein akzeptierten Auffassung über Astrologie. Dies wird zum einen durch das "Thesenpapier astrologischer Vereinigungen" dokumentiert (siehe Anm.31), zum anderen durch die (erfolgreichsten) astrologischen Neu-Veröffentlichungen: Diese stammen nämlich in vielen Fällen von Psychotherapeuten (ARROYO 1981, GREENE 1978, RIEMANN 1976) oder zeigen eine eindeutige Orientierung in Richtung Psychologie (MEYER 1980, MERTZ 1979).

Natürlich gibt es weiterhin eine "astrologische Grauzone" sowie die von seriösen Astrologen als "Vulgär-Astrologie" bezeichnete "Wahrsagerei" in den Horoskopspalten der"Regenbogen-Presse". Da Astrologieoffiziell nicht ernst genommen wird, so daß die Ausübung der astrologischen Beratungstätigkeit keiner Kontrolle unterliegt *36, können ernsthaft arbeitende Astrologen sich derzeit schlecht dagegen wehren, mit solchen Randerscheinungen "in einen Topf geworfen" zu werden. Jedermann darf sich derzeit Astrologe nennen, Beratungen durchführen und Artikel oder Bücher schreiben. Von dieser Freiheit wird, leider nicht zum Wohle der Astrologie, ausgiebig Gebrauch gemacht.

Darüberhinaus wird neben dieser Form der Deutung des sog. "Radix-Horoskops" weiterhin astrologische Prognose betrieben. Sie hat jedoch ein weit geringeres Gewicht als allgemein angenommen wird, wie sich leicht an den Themen auf astrologischen Fachtagungen und Kongressen belegen ließe. Auch der Zweig der Mundan-Astrologie (auf ganze Kollektive bezogene Formen der Deutung von Konstellationen) sowie der Wirtschafts-Astrologie (Firmen-Horoskope) erfreut sich nach wie vor regen Interesses. All diese Zweige der Astrologie sollen nicht Gegenstand der Erörterungen in dieser Arbeit sein.

 

 

 

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