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Kapitel 2.4

 

Kapitel 2: Die "Melodie" der Planeten

 

Auch die "Wirkung" der Planeten ist, im Sinne der weiter oben vorgenommen Unterscheidung, keine magische: Die Stellung der Planeten wirkt mehr in der Art, in der "Worte" (Symbole) wirken. Immer wieder werfen Naturwissenschaftler den Astrologen vor, sie könnten keine Kraft angeben (wie etwa die Schwerkraft, die für die Gezeiten verantwortlich ist), die für die "Wirkung" der Planeten verantwortlich sein könnte. Dieser Vorwurf ist ähnlich unpassend, wie wenn man einem Soziologen vorwerfen würde, er könne keine Kraft nennen, die für die "Wirkung" eines Buches verantwortlich sein könnte. Wir werden über die Wirkung eines Buches auf Menschen wenig erfahren, wenn wir eine chemische Analyse von Papier und Druckerschwärze vornehmen oder wenn wir in einem Experiment protokollieren, was passiert, wenn man dieses Buch Menschen auf den Kopf fallen läßt. Bücher wirken durch "Resonanz" der Leser für die Symbole (Worte, Sätze) in diesem Buch.

Wir verstehen vielleicht jetzt besser, warum Carl Friedrich von WEIZSÄCKER, wie im ersten Kapitel zitiert, recht hat, wenn er behauptet, die Naturwissenschaft sei nicht weit genug entwickelt, um sagen zu können, daß Astrologie nicht wahr sein kann, und auch nicht weit genug entwickelt, um zu sagen, wie es zusammenhängt, wenn sie wahr ist. Wir müssen in den Naturwissenschaften erst ein Phänomen besser verstehen, das für das Verständnis dieser Arten von "Wirkung" von zentraler Bedeutung ist: das Phänomen der Information.

 

Nun ist, zugegeben, ein Planet kein Wort und auch kein Symbol, sondern ein Himmelskörper.

 

Das ist richtig. Doch, etwas poetisch formuliert: Jeder Planet erzeugt eine bestimmte "Melodie" . Im ersten Abschnitt nannte ich dies, etwas nüchterner, einen "kosmischen Auslösereiz". Aus der Musik wissen wir, wie stark Menschen auf Töne reagieren. Wenn wir resonant sind für die betreffende Musik (das ist eher der Fall, wenn sie unserem Kulturkreis entstammt), kann sie uns traurig oder fröhlich stimmen; vor der Schlacht versetzen die Fanfaren uns in Kampfstimmung; Musik in der Kaufhäusern stimuliert unser Kaufverhalten; beim sog. "Superlearning" verbessert die zur Untermalung der Vokabeln verwendete Musik die Behaltensleistung usw. In anderen Worten: Schwingungen, die an unser Ohr gelangen, können, je nach ihrer Art, ganz bestimmte "Wirkungen" in unserer Seele auslösen, bestimmte Impulse in uns wecken.

 

Ein Planet verkörpert ein bestimmtes Lebens-Grundprinzip, weil seine "Melodie" dieses Prinzip in uns weckt.

 

Diese Ausdrucksweise ist unscharf und würde einen Wissenschaftler nicht befriedigen. Nun ist dieses Buch, wie versprochen, aber auch kein wissenschaftliches Buch, und die verwendeten Analogien dienen einzig dem Zweck, eine Brücke zu schlagen zwischen dem tief in unserem Denken verankerten mechanistischem Weltbild (und der damit verbundenen Vorstellungen, was als Ursache für bestimmte Wirkungen in Frage kommen könnte) und dem "neuen Denken" , einen ganzheitlichen Denken.

 

Einer der bedeutendsten mittelalterlichen Astronomen und Astrologen, Johannes KEPLER, war der Auffassung, daß die Wirkung der in der Astrologie verwendeten Aspekte (= Winkelbeziehungen zwischen Planeten, siehe Kap. 3) auf einer angeborenen Sensibilität der menschlichen Seele für geometrische Proportionen beruhe, die er instinctuns geometricus nannte. Das Weltgeheimnis sieht KEPLER in einem vollkommen harmonischen Naturzusammenhang. Für ihn stand fest, daß der Kosmos ein wohlgeordnetes, von einem geistigen Prinzip geschaffenes und gelenktes Ganzes sein müsse, in dem alles nach harmonisch-geometrisch darstellbaren Verhältnissen geordnet ist. KEPLER war also der Auffassung, daß geometrische Proportionen wirken. Ist dies ein mittelalterlich-abergläubischer Gedanke?

 

Denken Sie zum Vergleich an die geometrischen Formen der Kristalle (z. B. Schneekristalle oder Salzkristalle). Die Atome in einem Kristall sind geometrisch angeordnet. Ist das nicht ein anschaulicher Beweis dafür, daß geometrische Formen in der Natur wirken? Denken Sie weiter an die Musik, die ich gerade als Beispiel angeführt habe: Seit der Zeit der Griechen wissen wir, daß die Empfindung von Harmonie bei Tönen (aber auch bei den Abmessungen von Flächen oder Körpern) etwas mit Proportionen zu tun hat. Musik und unser ästhetisches Empfinden sind ein Beleg dafür, wie sehr die menschliche Seele auf Proportionen anspricht.

 

Mit diesen anschaulichen Beispielen soll nicht darüber hinweggetäuscht werden, daß es sich dabei um Analogien handelt. Ein Aspekt zwischen zwei Planeten ist nicht dasselbe wie der Zusammenklang zweier Töne. Die Analogie hilft uns, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie astrologische Zusammenhänge vielleicht aufgefaßt werden müssen. Eine Erklärung, gar eine wissenschaftliche Erklärung, sind sie nicht.

 

Zum Schluß dieses Kapitels will ich nun versuchen, diese Sachverhalte noch auf eine etwas "wissenschaftlichere" Weise auszudrücken.

 

Die Systemtheorie

 

Im vorletzten Abschnitt habe ich, zusammenfassend, behauptet, daß in den Symbolen der Astrologie grundlegende Eigenschaften des Lebens allgemein symbolisiert seien.

 

Bestätigung für diese These erhalten wir durch eine neue Wissenschaft, die, seit sie in den Vierziger Jahren entwickelt wurde, das "neue (ganzheitliche, ökologische) Denken" entscheidend mitgeprägt hat: Die Systemtheorie. Es war wiederum ein Biologe, der, auf der Suche nach den charakteristischen Eigenschaften des Lebens, zu der Erkenntnis kam, daß die traditionellen Prinzipien in den Naturwissenschaften nicht geeignet sind, das Phänomen Leben wissenschaftlich umfassend beschreiben zu können.

 

LUDWIG VON BERTALANFFY, wie Fancé in Wien geboren, arbeitete in den Dreißiger Jahren als Biologe an der Wiener Universität. Bei dem Versuch, die Eigenschaften zu bestimmen, die Leben charakterisieren, stieß er auf bis dahin unentdeckte Gesetzmäßigkeiten, die noch wesentlich umfassender, grundsätzlicher waren als die von Fancé hypostasierten Ordnungsgesichtspunkte zur Charakterisierung lebender Organismen. Seine Gesetze charakterisierten nicht nur lebende Organismen sondern alle sog. selbst-organisierenden Systeme schlechthin:

 

"Wohl zum ersten Mal in der Geschichte des menschlichen Geistes eröffnet sich ein Ausblick auf eine bisher nicht geahnte Einheit des Weltbildes. Seine obersten Leitprinzipien sind überall die gleichen, ob es sich nun um unbelebte Naturdinge, um Organismen, um seelische oder schließlich gesellschaftlich geschichtliche Vorgänge handelt (...) Es gibt gewisse allgemeine Prinzipien, die für Systeme aller Art gelten, d. h. die aus der Wechselwirkung von Elementen auftreten müssen, so verschieden die zu einem 'Sysytem' zusammengefügten 'Elemente' im Einzelfall auch sein mögen."

 

Bertalanffy entdeckte also, daß das Leben von Prinzipien geregelt wird, die nicht allein auf Leben zutreffen sondern auf alle sog. selbstorganisierrenden Systeme. Es würde den Umfang dieser Schrift sprengen, auf die Systemtheorie weiter einzugehen. Dem interessierten Leser seien die in der Literaturliste angegebenen Bücher empfohlen. Hier nur soviel:

 

Die von Bertalanffy gefundenen System-Eigenschaften sind eine neue Art von "Naturgesetzen", es sind Gesetze, die zu den uns bekannten Gesetzen hinzukommen. Wohlgemerkt: Es sind nicht einfach einige neue Gesetze, wie wir in den Wissenschaften immer wieder neue Naturgesetze herausfinden. Es ist eine neue Art von Gesetzen. Diese Gesetze sind z. B. nicht mehr in der gleichen Eindeutigkeit zu formulieren und nicht auf die gleiche Art "zu beweisen", wie die in den Wissenschaften bislang anerkannten Naturgesetze. Ich will das durch ein Zitat verdeutlichen, auch wenn dieses Zitat nicht für alle Leserinnen und Leser verständlich sein wird:

 

"Die klassische Form einer Prozeßgesetzlichkeit ist die Differentialgleichung. Die Gesetze der ungeordneten Gesamtheiten gründen sich auf die Wahrscheinlichkeitslehre. Die Gesetze der geordneten Gesamtheiten sind ihrem Wesen nach Systemgesetze."

 

Systemtheoretische Prinzipien haben mittlerweile in viele Wissenschaften Eingang gefunden; in der Psychologie basiert eine bestimmte Therapieform, die "systemische Familientherapie", auf systemtheoretischen Grundsätzen.

 

Zur Veranschaulichung werde ich nun an einigen Beispielen demonstrieren, daß die moderne Wissenschaft der Systemtheorie bei dem Versuch, grundlegende Eigenschaften des Lebendigen zu kennzeichnen, zu Beschreibungen kommt, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit den symbolischen Bedeutungen haben, die den Planeten in der Astrologie zugeschrieben wird. Dabei muß ich ein wenig auf die Ausführungen im Kapitel 4 vorgreifen.

 

Zu den Eigenschaften selbstorganisierender Systeme gehört z. B. die in der Astrologie dem Mars zugeordnete Tendenz, sich im Wettbewerb gegen andere durchzusetzen.

 

Arthur KOESTLER, einer der Herausgeber eines Buches mit dem Titel: "Das neue Menschenbild - Die Revolutionierung der Wissenschaft vom Leben." , führt dort an, daß das Charakteristische nicht allein die Fähigkeit zur Durchsetzung sei, sondern eine Kombination aus zwei komplementären Fähigkeiten, nämlich "Selbstbehauptung und Integration": "Die Selbstbehauptungstendenz ist ein grundlegendes und universelles Merkmal (...) und zeigt sich auf allen Stufen aller Arten von Hierarchien (...) Der entgegengesetzte Aspekt (...) besteht in seiner integrativen Tendenz, in der Neigung, als fügsamer Bestandteil eines bestehenden oder in Entwicklung befindlichen Ganzen zu wirken. Auch diese Eigenschaft äußert sich auf verschiedenartigste Weise, von der 'Gefügigkeit' des embryonalen Gewebes über die Symbiose der Organellen in einer Zelle bis zu den verschiedensten Formen des Zusammenhalts, sei es ein Insektenstaat, sei es ein Stamm von Eingeborenen."

 

Dem astrologisch Geschulten fällt auf, daß unter der "integrativen Tendenz" bei KOESTLER Bedeutungen zusammengefaßt werden, die in der Astrologie weiter differenziert sind und der symbolischen Bedeutung der Planeten Venus (das Prinzip "Harmonie" im Sinne der Einteilung von Francé) und Saturn (das Prinzip "Integration") entsprechen.

 

Erstaunlicherweise finden wir unter den Systemeigenschaften auch eine direkte Entsprechung zur Bedeutung des Planeten Pluto (dies wiederum als Vorgriff auf das kommende Kapitel), der von Astrologen als das Symbol für "Tod und Widergeburt" gekennzeichnet wird: "Das regenerative Potential in Organismen und Sozialverbänden manifestiert sich in Fluktuationsprozessen, die von der höchsten Integrationsstufe auf frühere, primitivere Niveaus zurückgreifen und beim Wiederaufstieg zu neuen, modifizierten Strukturen führen. Prozesse dieser Art scheinen sowohl bei der biologischen als auch bei der geistigen Evolution eine bedeutende Rolle zu spielen; sie spiegeln sich in dem universalen Motiv von Tod und Wiedergeburt in der Mythologie."

 

Fassen wir zusammen:

 

Die Symbole der Astrologie symbolisieren grundlegende Eigenschaften des Lebens (und, allgemeiner, sog. selbstorganisierender Systeme). Die astrologische Überlieferung bedient sich dabei zur Beschreibung dieser Eigenschaften ausführlich sog. Analogien und Gleichnisse, ähnliche wie sich Märchen zur Beschreibung grundlegender menschlicher Erfahrungen solcher Mittel bedienen.

 

Das "System" Mensch nun ist Teil des (Öko-) Systems Erde und dieses wiederum Teil des Sonnensystems. Wenn dieses Sonnensystem als Ganzes nun auch ein selbstorganisierendes System wäre, dann wäre eine Verbindung Sonnensystem - Erde - Mensch eine natürliche Konsequenz systemtheoretischer Erkenntnisse, denn, wie KOESTLER in dem gerade zitierten Buch nachgewiesen hat, sind selbstorganisierende Systeme durch Integration in hierarchische Strukturen gekennzeichnet, innerhalb derer sie sowohl als Ganzheiten als auch als Teile betrachtet werden können: Ein Organ des Körpers z. B. ist einerseits eine Ganzheit. (Das Herz "funktioniert" auch außerhalb des Körpers, ist ein Stück weit "autonom".) Es ist aber, bezogen auf der ganzen Körper, ein Teil. Eine Zelle des Organs ist wiederum eine Ganzheit (sie kann weiterleben, wenn man sie aus dem Organ entfernt), ist aber auch ein Teil des Organs. Dieses wiederum ist ein Teil des Körpers. Der Körper wiederum ist ein Teil des Öko-Systems Erde. Die Erde ein Teil des Sonnensystems.

 

Eine Betrachtung unseres Sonnensystems als ein "System" von 10 großen Materie-Brocken und einer Unzahl kleinerer Materie-Brocken, deren Beziehungen untereinander im wesentlichen auf Gravitationskräfte beschränkt sind, würde für das Konzept eines selbstorganisierenden Systems allerdings keine Grundlage bilden (eine mechanisch funktionierende Maschine ist eben auch kein selbstorganisierendes System). Tatsächlich sind die Beziehungen aber wesentlich komplexer und die wechselseitigen Einflüsse wesentlich subtiler . Unsere Sonne ist nicht einfach ein sehr heißer Feuerball: Sie ist ein Gebilde, das in seiner Komplexität der Komplexität eines selbstorganisierenden Systems entspricht und sie "reagiert" auf die Stellung der Planeten unseres Sonnensystems u. a. mit einer Veränderung ihrer in den Raum abgegebenen Energie- und Partikelstrahlung, die wiederum auf den Planeten, insbesondere auf der Erde, komplizierte metereologische Prozesse (und Veränderungen in der Biospäre) auslösen.

 

THOMAS RING, einer der bedeutendsten Astrologen im deutschsprachigen Raum, gab einem seiner Bücher den Titel: "Unser Sonnensystem - ein Organismus". Im Lichte der Erkenntnisse der Systemtheorie könnte es sich erweisen, daß dies viel weitgehender zutrifft, als er selbst vermuten konnte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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